Warum Profil-Fitting?
Gemessene Lastprofile – etwa für Netzbezug, PV-Erzeugung oder Stromverbrauch – stimmen in der Praxis selten exakt mit der Energiebilanz eines Standortes überein. Kleine Messfehler, abweichende Zeitstempel oder fehlende Datenpunkte reichen bereits aus, damit die Bilanz nicht mehr aufgeht. Die Folge: Die Optimierung findet keine Lösung – das System ist unlösbar.
Genau hier setzt das Profil-Fitting an. Es erkennt automatisch, welche Profile angepasst werden müssen, und berechnet die minimal notwendige Abweichung, damit die Optimierung wieder lösbar wird. So erhältst du konsistente Profile und valide Kennzahlen, ohne deine Originaldaten von Hand korrigieren zu müssen.
Steuerungsoptionen pro Komponente
Im Systembuilder legst du pro Komponente fest, wie sich das Fitting verhalten soll. Sobald eine Komponente profilfähig ist, erscheinen die folgenden Optionen direkt im Komponentenmodal – ein separater „Fitting-Modus" ist nicht nötig.
Option | Bedeutung |
Regelbar [unter dem Profil] | Wenn aktiviert, darf der Optimierer die Leistung der Komponente unter das Profil reduzieren (Abregelung). Ist die Option deaktiviert, muss das Profil exakt eingehalten werden. Nicht nur im Profil-Fitting möglich. |
Profilanpassung erlauben [unter dem Profil] | Markiert die Komponente für das Profil-Fitting. Bei einer eigentlich unlösbaren Ausgangslage kann gezielt dieses Profil angepasst werden. |
Profil nach Ausgangslage löschen [unter dem Profil] | Nach erfolgreichem Profil-Fitting wird das Profil für Folgeoptimierungen (Varianten) gelöscht, sodass der Optimierer frei optimieren kann und sich nicht an ein Profil halten muss. Dies wird standardmäßig bei Netzbezug und Einspeisung aktiviert, weil sich bei Folgeoptimierungen beides natürlich zum Profil in der Ausgangslage verändern dürfte. |
Energieträgerbedarf | Legt einen festen Jahresenergiebedarf (kWh/a) fest. Bei Folgeoptimierungen wird dieser Wert automatisch freigegeben. |
Ablauf in der Ausgangslage
In der Ausgangslage läuft das Profil-Fitting vollautomatisch ab – du musst nicht eingreifen. Durch das Profil-Fitting, kann die Berechnung einer Ausgangslage deutlich länger dauern.
Profile hochladen. Du lädst deine Messdaten hoch (Netzbezug, PV, Verbrauch usw.) und konfigurierst die Steuerungsoptionen pro Komponente.
Ausgangslage - erster Versuch. Das System versucht, mit den gegebenen Profilen eine Lösung zu finden.
Unlösbarkeit erkannt. Wenn die Profile nicht zur Energiebilanz passen, startet das Profil-Fitting automatisch. Berücksichtigt werden ausschließlich Komponenten mit aktivierter Option „Profil anpassen".
Profil-Fitting. Unser Modell berechnet die kleinste notwendige Profilanpassung, die das System lösbar macht.
Automatische Anwendung. Die angepassten Profile werden direkt auf die Komponenten übernommen – ohne separate Nutzerfreigabe.
Exakte Ausgangslagen-Berechnung. Mit den angepassten Profilen läuft anschließend eine exakte Optimierung. Sie liefert valide KPIs und Komponentendimensionierungen.
Ergebnis. Die Ausgangslage ist fertig berechnet – mit konsistenten Profilen und belastbaren Kennzahlen.
Profilbereinigung: von der Ausgangslage zur Folgeoptimierung
Wenn du eine fertige Ausgangslage als Basis für eine neue Optimierung verwendest, werden bestimmte Profile und Energiebedarfe automatisch bereinigt:
Profil nach Ausgangslage löschen: Komponenten mit aktivierter Option „Profil nach Ausgangslage löschen" bekommen ihr Profil zurückgesetzt. In der Folgeoptimierung bestimmt der Optimierer das Profil dann frei.
Energiebedarfe freigeben: Ein fixer "Energieträgerbedarf" wird entfernt, damit der Optimierer die Energiemengen in Folgeoptimierungen frei optimieren kann.
Diese Bereinigung passiert automatisch.
Ablauf bei normalen Optimierung
Profil-Fitting
Anders als in der Ausgangslage läuft das Profil-Fitting in Optimierungen nicht automatisch ab. Du entscheidest selbst, wie es weitergeht.
Optimierung starten. Die Variante wird mit den vorhandenen Profilen optimiert.
Unlösbarkeit erkannt. Das System erkennt widersprüchliche Profile und berechnet die minimal nötigen Anpassungen.
Benachrichtigung. Du erhältst eine Meldung mit den vorgeschlagenen Anpassungen pro Komponente – inklusive Abweichung in kWh.
Entscheidung. Du hast zwei Wege:
Anpassungen akzeptieren: Es wird eine neues System im Systembuilder erstellt, in der die angepassten Profile bereits hinterlegt sind. Von dort kannst du die Optimierung direkt starten.
Manuell korrigieren: Es wird ebenfalls ein neues System im Systembuilder erstellt, allerdings mit den Original-Profilen. Du passt die Profile dann selbst an.
So behältst du bei Optimierungen die Kontrolle darüber, ob die automatische Anpassung oder eine eigene Korrektur Grundlage der weiteren Optimierung sein soll.
Strukturelle Unlösbarkeit
In bestimmten Fällen erkennt der Optimierer dass eine Komponente strukturell nicht am System teilnehmen kann. Typisches Beispiel: Das Originalprofil ist ungleich Null, das angepasste Profil müsste aber vollständig auf Null gesetzt werden.
Solche Komponenten werden in der Adaptionsübersicht mit einem roten Hinweis gekennzeichnet. Das ist ein Signal für ein grundsätzliches Modellierungsproblem, das du prüfen solltest – etwa eine falsche Verschaltung oder eine Komponente, die in diesem System schlicht nicht möglich ist.
Adaptionen einsehen
Hat in einer Optimierung, nachdem eine Unlösbarkeit erkannt wurde, ein Profil-Fitting stattgefunden, erscheint in der Optimierungsübersicht der Button „Adaptionen einsehen". Er öffnet eine schreibgeschützte Ansicht mit:
einer Übersicht aller angepassten Komponenten inklusive Gesamtabweichung (in kWh bzw. MWh),
Heatmaps, die das angepasste Profil dem Originalprofil gegenüberstellen,
einer Kennzeichnung strukturell unlösbarer Komponenten (siehe Abschnitt weiter unten).
HowTo-Video
Auf einen Blick
Automatische Unlösbarkeits-Erkennung in der Ausgangslage – kein manuelles Eingreifen nötig.
Minimal-invasiv: Angepasst wird nur so viel, wie für ein lösbares System nötig ist.

